Der österreichische Baum des Jahres 2020 – Die Erle

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Auch wenn wir derzeit keine Feste feiern können, findet am 25. April der alljährliche Tag des Baumes statt. In Österreich wurde die Erle zum Baum des Jahres 2020 gekürt. Nachdem vor allem die Schwarzerle in Österreich und auch insgesamt in fast ganz Europa weit verbreitet ist, wollen wir sie euch in den folgenden Zeilen ein bisschen vorstellen.

Die Schwarzerle (lat. Alnus glutinosa) findet man hauptsächlich an feuchten Standorten wie in Auwäldern oder an Bach- und Flussufern. Da sie relativ schnell wächst und einen hohen Lichtbedarf hat, gilt sie als Pionierbaumart. In ihrem Erscheinungsbild gibt es ein paar Besonderheiten. So verleihen zum Beispiel Blütenkätzchen der Krone im Jänner einen rötlichen und von Februar bis April einen gelblichen Schimmer. Schwarzerlen haben an den Wurzeln Anschwellungen (Rhizotamnie), also knollenartige Gebilde, die eine Größe eines Stecknadelkopfes bis hin zur Größe eines Apfels erreichen können. In diesen kleinen Knollen befinden sich spezielle Bakterien, die Stickstoff binden können. Daher ist es auch nicht notwendig für die Schwarzerle im Herbst ihren Blättern die Nährstoffe und damit die grüne Farbe zu entziehen. Es kommt also zu keiner Laubfärbung im Herbst, die Blätter fallen grün vom Baum. Ein weiteres außergewöhnliches Merkmal ist ihr Stamm: häufig haben Schwarzerlen einen bis zur Kronenspitze gerade durchlaufenden Stamm, was bei Laubbäumen eher selten ist. Die Schwarzerle wird daher auch als „Fichte der Täler“ bezeichnet. Beim Fällen einer Schwarzerle zeigt sich ebenso eine besondere Eigenschaft: nach dem Fällen kommt es zum sogenannten „Bluten“ der Schwarzerle, denn das Holz färbt sich nach der Fällung durch Oxidation von einem hellen Gelb zu Rot.

Dass die Schwarzerle gerne an Bach- und Flussufern wächst, ist auch ein Glück für die Flussufer, denn die Schwarzerle schützt diese vor Erosion und sorgt damit für die Stabilität der Flussufer. Das Holz der Schwarzerle wird daher auch bevorzugt bei Wasserbauten eingesetzt. In Venedig sind zahlreiche Pfahlbauten aus Schwarzerlenholz.

Leider hat auch die Schwarzerle zu kämpfen: seit Ende des 20. Jahrhunderts  macht ihr der Eipilz Phytopthora Alni zu schaffen. Er verursacht Wurzel- und Stammfäule, die durch schwarzbraune, nässende Flecken am Stammgrund zu erkennen ist.

Die Schwarzerle hat auch eine mystische Bedeutung. In vielen Geschichten und Erzählungen finden sich gruselige Beschreibungen von dunklen, sumpfigen, moorigen Plätzen, wo auch die Schwarzerlen gerne wachsen. Die Schwarzerlen wurden daher oft in Verbindung mit Hexerei und dunklen, mystischen Mächten gebracht. Allerding ist Goethes Erlkönig keineswegs der König der Erlen: hier handelt es sich lediglich um einen Übersetzungsfehler: der Dichter Johann Gottfried Herder hat die dänische Volksballade „Herr Oluf“ ins Deutsche übersetzt und dabei den dänischen „ellenkonge“ zum Erlkönig gemacht, obwohl er eigentlich der Elfenkönig war…

 

Fotos:

Schwarzerle: https://en.wikipedia.org/wiki/Alnus_glutinosa

Blatt der Schwarzerle: https://www.baumkunde.de/Alnus_glutinosa/Blatt/